Seit längerer Zeit ist die Ölmalerei das dominierende Feld von Lucja Radwan´s künstlerischen Schaffens in großformatigen Arbeiten [160×210, 160×420, 160×630]. In ihnen gibt sie Inspirationen wieder, die aus natürlichen, hauptsächlich Höhlen- und Felsmotiven stammen (SpeleoArt). Die Speleo-Symbolik wird jedoch gewöhnlich aus ihrem Kontext herausgerissen, wodurch sie eigenständige Bedeutung erlangt. Die häufig registrierte Rezeption ihrer Werke ist der Eindruck der Belebung oder gar der Personifizierung der von Natur aus statischen und nichtorganischen Formen. Keine seltene Impression ist das Verkehren mit der Jungfräulichkeit von Bereichen, die in gewissem Sinne ihr erstmaliges Ans-Licht-Treten erfahren. Andere offenbarte Assoziationen umfassen die Unendlichkeit, die Metamorphose und das vertraut gewordene Grauen. Das bereits erwähnte Licht, wie auch die Perspektive spielen übrigens absichtlich eine wesentliche Rolle in ihren Gemälden. Deren Rolle ist die Verstärkung der Sinnesübertragung. Vielleicht deswegen empfindet ein Teil der Rezensenten ihre Gemälde als auf irgendeine schwer zu beschreibende Art und Weise überwältigend, die die Aufmerksamkeit, oder sogar eine Reaktion nicht mehr des Zuschauers, sondern vielmehr des Teilnehmers des Zusammentreffens mit der Form erzwingen. Die Mehrheit ihrer Arbeiten besitzt keinen ihnen zugeschriebenen Titel – es geht um die Befreiung des Beobachters von den vom Künstler nahegelegenen Assoziationen. Es geht auch um die Befreiung des Gemäldes selbst von der Determinierung seiner Botschaft durch die im Moment von dessen Geburt herrschenden Bedingungen und Emotionen.
Univ.-Prof. Dr. Arkadiusz Radwan, LL.M
Bilderbeschreibung
